Tapete entfernen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
So entfernen Sie Tapete richtig: herausfinden, womit Sie es zu tun haben, einweichen oder abdampfen, alten Kleister entfernen und eine Wand hinterlassen, die wieder tapezierfertig ist
Bevor Sie Tapete entfernen, finden Sie zuerst heraus, um welche Art es sich handelt. Moderne Vlies- und abziehbare Tapeten lassen sich meist trocken in ganzen Bahnen abziehen. Alle anderen müssen eingeritzt und dann mit warmem Wasser und Tapetenablöser eingeweicht oder mit einem Dampfgerät aufgeweicht und mit einem breiten Spachtel abgeschabt werden. Waschen Sie danach den alten Kleister ab, sonst hält die neue Tapete nicht.
Die Arbeit ist eher langwierig und nass als schwierig. Was schiefgeht, ist fast immer ein Schaden an der Wand darunter – durch zu viel Wasser, zu viel Dampf oder einen zu scharfen Spachtel.
Schritt 1: Herausfinden, was Sie entfernen
Heben Sie an der Fußleiste mit einem Spachtel eine Ecke an und ziehen Sie sie vorsichtig nach oben.
- Sie lässt sich trocken und in einem Stück abziehen: eine Vlies- oder abziehbare Tapete. Das ist der einfache Fall – und genau so sollen sich unsere Tapeten verhalten.
- Die bedruckte Schicht löst sich und hinterlässt ein Trägerpapier: ein zweischichtiges Vinyl. Ziehen Sie die obere Schicht trocken ab, weichen Sie dann das Trägerpapier ein und schaben Sie es ab.
- Sie reißt in kleine Stücke und gibt nicht nach: eine klassische Papiertapete. Sie muss eingeritzt und eingeweicht werden.
- Nichts bewegt sich, und die Oberfläche fühlt sich nach Kunststoff an: eine beschichtete oder überstrichene Tapete. Die Oberfläche muss eingeritzt werden, bevor Wasser dahinter gelangen kann.
Machen Sie diesen Test an zwei oder drei Wänden. Räume werden oft zu unterschiedlichen Zeiten tapeziert.
Was Sie brauchen
- Abdeckplanen, ein oder zwei Müllsäcke und Malerkrepp
- Breiter Tapetenspachtel oder Schaber, mindestens 100 mm breit, mit abgerundeter Kante
- Tapetenperforierer für beschichtete oder überstrichene Tapeten
- Eimer, Schwamm oder eine Gartenspritze und warmes Wasser
- Tapetenablöser-Konzentrat oder ein Spritzer Spülmittel
- Tapetendampfgerät, falls Sie eines mieten oder leihen
- Gummihandschuhe und Schutzbrille
- Reinigungsmittel für Anstrichflächen und Tücher für den Kleisterschritt
- Spachtelmasse und Schleifpapier für Ausbesserungen
Schritt 2: Raum und Elektrik schützen
- Räumen Sie den Raum leer und nehmen Sie den Bodenbelag heraus oder decken Sie ihn ab.
- Kleben Sie entlang der Fußleiste eine Plastikfolie an, schräg gestellt, sodass sie die nasse Tapete auffängt. Das erspart Ihnen eine Stunde, in der Sie Fetzen vom Boden sammeln.
- Schalten Sie vor Beginn den Strom am Sicherungskasten ab. Sie sind dabei, Wasser und Dampf an eine Wand voller Steckdosen und Schalter zu bringen.
- Kleben Sie die Abdeckungen von Steckdosen und Schaltern ab.
Schritt 3: Die Oberfläche einritzen, falls nötig
Durch eine beschichtete oder überstrichene Oberfläche gelangt kein Wasser an den Kleister. Führen Sie einen Tapetenperforierer in überlappenden Kreisen über die Tapete – genug, um die Oberfläche aufzubrechen, aber nicht so fest, dass Sie in die Wand dahinter schneiden.
Drücken Sie auf Gipskarton nur leicht auf. Mit Kraft eingesetzt, durchstößt der Perforierer die Kartonschicht der Platte, und jede dieser Stellen muss später gespachtelt und geschliffen werden.
Tapete, die ohnehin leicht reißt, muss gar nicht eingeritzt werden.
Schritt 4: Einweichen und abschaben
- Mischen Sie warmes Wasser mit Tapetenablöser gemäß der Anleitung auf der Flasche. Warm, nicht kochend.
- Bearbeiten Sie jeweils etwa einen Quadratmeter. Durchfeuchten Sie ihn gründlich mit Schwamm, Rolle oder Gartenspritze.
- Lassen Sie ihn zehn bis fünfzehn Minuten einwirken und befeuchten Sie ihn dann erneut. Zweimal einweichen bringt weit mehr als einmal kräftig.
- Schieben Sie den Spachtel unter eine Kante und drücken Sie ihn in flachem Winkel vor, die Klinge fast parallel zur Wand.
- Gibt die Tapete nicht nach, befeuchten Sie sie erneut, statt Gewalt anzuwenden. Jede Kerbe muss ausgebessert werden.
Arbeiten Sie von unten nach oben. Wasser läuft nach unten, sodass der Bereich unter Ihrer Arbeitsfläche ganz nebenbei ein zweites Mal eingeweicht wird.
Schritt 5: Oder ein Dampfgerät verwenden
Ein Dampfgerät ist bei hartnäckiger oder mehrlagiger Tapete schneller, und für einen ganzen Raum lohnt es sich, eines zu mieten.
- Befüllen Sie es, lassen Sie es auf Temperatur kommen und tragen Sie Handschuhe und Schutzbrille.
- Halten Sie die Dampfplatte zwanzig bis dreißig Sekunden flach auf die Tapete, setzen Sie sie dann auf die nächste Stelle und schaben Sie die gerade bedampfte ab. Dampf steigt nach oben, sodass der Bereich über der Platte gleich mit aufweicht.
- Bleiben Sie in Bewegung. Halten Sie die Platte an einer Stelle, durchnässt das den Putz hinter der Tapete, und bei Gipskarton kann sich die Oberfläche komplett ablösen.
- Entleeren Sie das Gerät und füllen Sie es mit heißem Wasser nach, damit Sie zügig weiterarbeiten können.
Zwei Warnungen, die Sie ernst nehmen sollten. Dampf verursacht Verbrühungen, vor allem wenn er am Rand der Platte entweicht und auf Ihren Unterarm trifft. Und bei Putz auf Lattung in einem älteren Haus weicht längeres Bedampfen den Putz selbst auf – arbeiten Sie also in kürzeren Intervallen und prüfen Sie zwischendurch.
Schritt 6: Alten Kleister entfernen
Mit dem Abziehen der Tapete ist erst die halbe Arbeit getan. Alter Kleister, der an der Wand bleibt, wird beim Trocknen glasig, und frischer Kleister verbindet sich nicht damit – die neue Tapete löst sich dann innerhalb von zwei Wochen.
- Waschen Sie die Wand mit warmem Wasser und Reinigungsmittel für Anstrichflächen oder einer schwachen Tapetenablöser-Lösung ab.
- Arbeiten Sie abschnittsweise mit Schwamm oder Tuch und wechseln Sie das Wasser, sobald es trüb wird.
- Spülen Sie mit klarem Wasser nach.
- Prüfen Sie das Ergebnis, indem Sie mit trockener Hand über die getrocknete Wand fahren. Stellen, die noch leicht klebrig oder glänzend sind, müssen noch einmal abgewaschen werden.
Schritt 7: Ausbessern und trocknen lassen
- Spachteln Sie Kerben, eingerissenen Gipskarton und alte Bohrlöcher und schleifen Sie sie bündig.
- Lassen Sie die Wand vollständig trocknen. Eine eingeweichte oder bedampfte Wand hält mehr Feuchtigkeit, als man ihr ansieht – geben Sie ihr also mehrere Tage.
- Grundieren Sie fleckige, kreidende oder ausgebesserte Stellen mit einem Anstrich aus verdünnter Dispersionsfarbe, bevor Sie neu tapezieren.
Raufaser
Ritzen Sie sie ein, weichen Sie sie kräftig ein und rechnen Sie damit, dass sie sich in Bröckchen statt in Bahnen löst. Keine Tapete macht mehr Dreck, und die Wand darunter ist häufig in schlechtem Zustand, denn Raufaser wurde oft gerade deshalb tapeziert, um einen schlechten Untergrund zu kaschieren. Planen Sie Spachtelarbeiten oder einen neuen Glattputz ein.
Überstrichene Tapete
Farbe versiegelt die Tapete gegen Wasser, deshalb ist Einritzen unerlässlich und es geht nur langsam voran. Haftet die Tapete fest und ist der Anstrich in gutem Zustand, tapezieren manche direkt darüber – aber nur, wenn die Oberfläche eben, glatt und absolut fest ist, und im Wissen um das Risiko, dass sich die alte Schicht löst und die neue mitreißt.
Gipskarton
Verwenden Sie so wenig Wasser wie möglich, verweilen Sie nicht mit dem Dampfgerät und halten Sie den Spachtel flach. Die Kartonschicht der Platte hält alles zusammen, und ist sie erst einmal eingerissen, muss sie gespachtelt und grundiert werden, bevor Sie wieder tapezieren können. Wenn Sie überhaupt ein Dampfgerät verwenden, arbeiten Sie in kurzen Intervallen von zehn bis fünfzehn Sekunden, und erwägen Sie, stattdessen mit Wasser und Tapetenablöser zu arbeiten.
Mehrere Schichten
Entfernen Sie sie Schicht für Schicht, statt zu versuchen, alle auf einmal zu durchweichen. Die unterste Schicht ist meist die hartnäckigste und liegt am nächsten am Putz – arbeiten Sie also langsamer, wenn Sie sie erreichen.
Selbstklebende Tapete entfernen
Abziehbare Tapete lässt sich trocken entfernen. Heben Sie eine obere Ecke mit dem Fingernagel oder einem Spachtel an und ziehen Sie die Tapete dann langsam in flachem Winkel nach unten ab, nah an der Wand, statt sie nach außen zu ziehen. Gibt ein Abschnitt nicht nach, erwärmt ein Föhn auf niedriger Stufe den Kleber. Wie die Wand danach aussieht, hängt von der Farbe darunter ab – von ihrem Alter, ihrer Qualität und davon, wie gut sie ursprünglich gehaftet hat.
Wie entfernt man Tapete ohne Dampfgerät?
Ritzen Sie die Oberfläche ein, weichen Sie sie zweimal mit warmem Wasser und Tapetenablöser ein, mit zehn bis fünfzehn Minuten Pause dazwischen, und schaben Sie sie dann mit einem fast flach gehaltenen breiten Spachtel ab. Das dauert länger als mit Dampf, schont aber die Wand.
Wie entfernt man Tapete am schnellsten?
Mit einem Dampfgerät und zwei Personen im Wechsel: eine dampft, eine schabt. Das Tempo entsteht dadurch, dass beide in Bewegung bleiben, nicht dadurch, dass man die Platte länger an einer Stelle hält.
Wie lange dauert es, einen Raum von Tapete zu befreien?
Einen Tag bei einem unkomplizierten Raum, ein Wochenende, wenn die Tapete überstrichen, mehrlagig oder Raufaser ist. Das Abwaschen dauert immer länger, als man erwartet.
Muss ich die Tapete vor dem Streichen entfernen?
In fast allen Fällen ja. Farbe zieht in die Tapete ein, lässt sie aufquellen und die Nähte sich lösen, und jede Struktur oder Musterkante bleibt durch die Farbe hindurch sichtbar.
Funktionieren Weichspüler oder Essig?
Beides funktioniert bis zu einem gewissen Grad, denn was den Kleister aufweicht, sind warmes Wasser und Zeit; der Zusatz wirkt vor allem als Netzmittel. Ein richtiger Tapetenablöser erledigt dieselbe Arbeit schneller und lässt sich sauberer abspülen.
Woran erkenne ich, dass der ganze Kleister ab ist?
Lassen Sie die Wand trocknen und fahren Sie dann mit trockener Hand darüber. Klebrige, glänzende oder glitschige Stellen sind Kleister. Waschen Sie erneut, bis sich die ganze Wand gleich anfühlt.
Kann ich neue Tapete direkt über die alte tapezieren?
Nur wenn die alte Tapete eben, glatt, keine Vinyltapete und überall fest verklebt ist. Andernfalls reaktiviert die Feuchtigkeit des frischen Kleisters den alten Kleister, und beide Schichten lösen sich gemeinsam.